01. Juli 2019 Vogelzug über Nord- und Ostsee: Welche Auswirkungen haben Offshore-Windparks?

Nahrungssuchende Basstölpel vor einem Offshore-Windpark in der Nordsee, Foto: Stefan Garthe

Bundesamt für Naturschutz bewilligt neues Verbundprojekt

Die möglichen Auswirkungen von Offshore-Windparks auf Zugvögel stehen im Zentrum des neuen Forschungsprojektes „Trackbird", das von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern des Forschungs- und Technologiezentrums Westküste (FTZ) der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU) in Zusammenarbeit mit dem Institut für Vogelforschung „Vogelwarte Helgoland" in Wilhelmshaven initiiert wurde. Das Projekt ist mit 1,7 Millionen Euro dotiert und wird vom Bundesamt für Naturschutz (BfN) finanziert. Es startete gestern (Montag, 1. Juli) und hat eine Laufzeit von drei Jahren.

 

Durch den weiteren Ausbau der Offshore-Windenergie in deutschen Gewässern widmen sich die Forschenden vor allem dem Problem der sogenannten kumulativen Effekte. Diese können auftreten, wenn mehrere Belastungsfaktoren zusammenwirken und sich in ihren negativen Auswirkungen verstärken, was zu erheblichen Gefahren für die Tierwelt führen kann. Allerdings sind die Effekte nicht leicht zu untersuchen. „Wie viele Hindernisse in Form von Windparks verkraften die Zugvögel zweimal im Jahr auf ihrer strapaziösen Reise in den Süden und zurück? Ab wann ist das Maß voll und die Beeinträchtigung so stark, dass die Vögel sie nicht mehr ausgleichen können?" fragt sich der Gesamtprojektleiter Professor Stefan Garthe vom FTZ Westküste. „Auch das Meer ist kein Lebensraum, wo unbegrenzt Platz vorhanden ist, auch wenn es uns Menschen als endlose Fläche erscheinen mag. Sowohl Nord- als auch Ostsee werden vom Menschen stark genutzt, sei es durch Schiffsverkehr, Fischerei, Freizeitsport, Sand- und Kiesabbau oder militärische Übungen. Zugvögel sind in energetischer Hinsicht bereits am Limit und jedes zusätzliche Hindernis, das sie vielleicht kilometerweit umfliegen müssen, kann schnell zum Tod führen", ergänzt Garthe.

An welchen Stellen im Meer Windmühlen in welcher Anzahl gebaut werden dürfen, entscheiden die Genehmigungsbehörden der Länder bzw. des Bundes. Sie sind daher auf Empfehlungen aus der Wissenschaft angewiesen, um die Standorte zu finden, die für Zugvögel die geringste Störung bedeuten. Jüngste Fortschritte bei der Miniaturisierung von Datenloggern, Sensoren, die auf dem Rücken der Vögel angebracht werden, erlauben den Einsatz auch bei kleineren Vogelarten. So können die Forschenden die genauen Flugrouten analysieren. Davon erhoffen sie sich, die möglichen Effekte von Offshore-Windparks sowohl auf größere als auch auf kleinere Zugvogelarten aus der Sicht des Naturschutzes genauer einschätzen und bewerten zu können.

Hintergrundinformationen:
Unter der Leitung von Prof. Dr. Stefan Garthe beschäftigt sich die Arbeitsgruppe „Ökologie mariner Tiere" seit mehr als 15 Jahren mit der Erforschung der Lebensweise von Seevögeln. Die Schwerpunkte bilden Untersuchungen zur Ernährungsökologie, Verbreitung, Habitatwahl und zu Beständen von Seevögeln. Des Weiteren werden die Einflüsse menschlicher Aktivitäten auf Meeresvögel untersucht, wie die Aufnahme und die Folgen von auf dem Meer treibendem Müll, sowie Veränderungen des Nahrungsangebots durch Fischerei und Fischereiabfälle. Im Zentrum stehen ebenfalls Beurteilungen des Einflusses von Offshore-Windenergieanlagen auf Seevögel. Die Arbeitsgruppe berät zu diesem Thema politische Entscheidungsträger, Ministerien und Ämter der Bundes- und Landesregierungen. Garthe erarbeitete zudem Vorschläge für die Ausweisung von Meeresschutzgebieten in Nord- und Ostsee, die durch das Bundesamt für Naturschutz (BfN) vor einigen Jahren eingerichtet wurden.

Wissenschaftlicher Kontakt:

Prof. Dr. Stefan Garthe
Forschungs- und Technologiezentrum Westküste (FTZ) der Universität Kiel
Tel.: 04834/604-116
garthe@ftz-west.uni-kiel.de

Pressekontakt:

Dr. Ulrike Kubetzki
Forschungs- und Technologiezentrum Westküste (FTZ) der Universität Kiel
Tel.: 04834/604-219
kubetzki@ftz-west.uni-kiel.de